Bildung im ländlichen Raum

Mecklenburg-Vorpommern ist ein außerordentlich dünn besiedeltes Bundesland, das durch seine weiten ländlichen Regionen geprägt ist. Die Bildungsversorgung in diesen Gebieten ist sowohl für die Politik als auch für Heranwachsende, Schulen und Lehrer*innen eine Herausforderung, die durch die Dynamiken des demographischen Wandels wie Land-Stadt-Wanderungen und die Alterung der Bevölkerung verstärkt wird. Der Zugang zu Bildungsangeboten ist gerade in ländlichen Regionen Voraussetzung für die Teilhabe an gesellschaftlichen Entwicklungen und für die Gewährleitung sozialer Gleichheit. Angesichts eines sich abzeichnenden Lehrkräftemangels wird es daher zunehmend wichtig, Berufsanfänger*innen im Lehramt für eine Tätigkeit im ländlichen Raum zu gewinnen. Mecklenburg-Vorpommern kann angesichts bundesweiter Bevölkerungsentwicklungen als Modellregion für die Gewährleistung der Bildungsversorgung in dünn besiedelten Regionen mit abnehmender und alternder Bevölkerung betrachtet werden. Das ZLB widmet sich daher u.a. der Besonderheiten der Bildungsversorgung im ländlichen Raum und der Möglichkeiten zu deren Verbesserung in einer Kombination von grundständiger Forschung und der (Weiter-)Entwicklung von Maßnahmen. Als Auftakt des Schwerpunktthemas tauschten sich Akteure der Bildungslandschaft des Bundeslandes im Juli 2017 in einem Forum Bildungsforschung zum Thema aus. Da sich hier vor allem die Bedeutsamkeit von Praxiskontakten Lehramtsstudierender in den ländlichen Raum als zentral herausstellte, wurden mit den Schulmessen und der Lehrerbildungslandpartie Formate entwickelt, um Lehramtsstudierende verstärkt in Kontakt mit Schulen im ländlichen Raum zu bringen und sie über Praktikums-, Referendariats- und Beschäftigungsmöglichkeiten an diesen Schulen zu informieren. Im Forschungsbereich stehen neben der Niederlassungsbereitschaft Lehramtsstudierender im ländlichen Raum vor allem Zeitreihenuntersuchungen zu Schulen und Lehrkräften im ländlichen Raum anhand amtlicher Daten im Fokus:  

Bildungsungleichheit im ländlichen Raum anhand amtlicher Daten 

Das ZLB führt auf Basis der amtlichen Schulverzeichnisse für das Land Mecklenburg-Vorpommern und unter besonderer Berücksichtigung der im Landesraumentwicklungsprogramm definierten ländlichen Räume mit besonderem Gestaltungsbedarf Untersuchungen zu Aspekten der Bildungsungleichheit durch. Diese beleuchten zentral den Übergang in die Sekundarstufe. Die Entscheidung über die weiterführende Schulform an diesem Übergang ist bedeutsam für weitere Bildungs- und Einkommenschancen im Lebenslauf und wird vom lokalen Schulangebot beeinflusst. Die Analysen zeigen auf, dass weiterführende Schulen in städtischen Räumen eher den Erwerb einer allgemeinen Hochschulreife ermöglichen als Schulen in ländlichen Räumen. Am wenigsten ist die Möglichkeit zum Erwerb der allgemeinen Hochschulreife in den ländlichen Räumen mit besonderem Gestaltungsbedarf gegeben. Dieser Zusammenhang betrifft sowohl öffentliche Schulen als auch solche in freier Trägerschaft. Schulen in freier Trägerschaft haben zwar in den letzten Jahrzehnten in Mecklenburg-Vorpommern verstärkt Bedeutung erlangt, können hier aber keine Lücke füllen, da sie dem Verteilungsmuster der öffentlichen Schulen folgen.  

Ergebnisse der Analysen zur Bildungsungleichheit wurden auf der DGD Jahrestagung 2019 vom 13.-15. März 2019 in Bamberg und auf dem 13. Bundeskongress der Zentren für LehrerInnenbildung und Professional Schools of Education vom 26.-28. Februar 2020 in Köln vorgestellt.

Niederlassungsbefragung 

Von Oktober bis Dezember 2017 wurde eine hybride Papier- und Onlinebefragung zur Niederlassungsbereitschaft der Lehramtsstudierenden im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommerns an den vier lehrerbildenden Hochschulen des Landes durchgeführt. Die Befragung ist Teil eines Projekts zum Thema, das unter Leitung der Universität Greifswald in Kooperation mit dem ZLB und den lehrerbildenden Hochschulen des Landes durchgeführt wird. Die Erhebung sollte zur Beantwortung dreier zentraler Fragen beitragen: 

  1. Aus welcher Region kommen die Lehramtsstudierenden?
  2. Wo werden die Lehramtsstudierenden im Referendariat und als Lehrer*in voraussichtlich hingehen?
  3. Unter welchen Umständen würden die Lehramtsstudierenden als Referendar*in bzw. Lehrer*in im ländlichen Raum tätig werden?

Erste Ergebnisse der Niederlassungsbefragung wurden durch Ivonne Driesner vom ZLB  und Dr. Stefan Schelske von der Universität Greifswald auf der 2. TUD-Sylber-Konferenz "Regionale Vernetzung in der Lehrerbildung" am 11. November 2017 in Dresden vorgestellt.

Weitere Informationen und den Ergebnisbericht zur Studie finden Sie hier.

 

Ansprechpartnerinnen im ZLB

Ivonne Driesner

ivonne.driesneruni-rostockde / Tel. 0381 498 – 2909  

Anja Vatterrott

anja.vatterrott2uni-rostockde / Tel. 0381 498 – 2906